Wohin.

Wo gehst du hin? Bleib bei mir. Ich bleibe bei dir. Du bleibst bei mir.

Herzen im Gleichklang, das Leben im Schnelldurchlauf und wir haben keine Angst und wir machen niemals Pause und wir geben niemals auf.

Wo gehst du hin? Bleib bei mir. Ich bleibe bei dir und du bleibst bei mir. Wir spulen vor und zurück, immer wieder und wir glauben, dass wir niemals anhalten müssen, denn dann müssen wir keine Angst haben

wir müssen niemals aufhören Spaß zu haben.

Wir müssen. Wir müssen. Wir müssen.

Wo bist du hin? Ich bin hier. Wohin. Du fehlst. Wo bist du nur hin. Ich bin immer noch hier. Und du fehlst.

Und ich merke die Welt dreht sich weiter, rasend schnell rotiert alles und wir halten an nichts fest, weil wir wissen, dass wir an nichts festhalten können und wir sagen uns immer wieder, der nächste Tag darf ruhig kommen, denn wir haben keine Angst, alles wir schon gut werden,

heute ist es immerhin schon besser als es gestern war.

Ich merke auch, die Welt dreht sich weiter, ohne mich. Und ich bleibe einfach stehen. Ich habe jetzt Angst.

Ich will die gottverdammte Welt verfluchen, ich will kreischen und weinen, weil du nicht mehr da bist.

Und dennoch bleibe ich stumm.

Ich möchte wütend sein, schließlich war man einst gewillt alles miteinander zu teilen. Wir wollten nicht loslassen, auch wenn wir schon wussten, dass wir es einmal müssen würden.

Wir müssen. Wir müssen. Wir müssen.

Wo bist du? Ich bin hier. Wohin? Du fehlst. Wo bist du nur hingegangen? Ich kann nicht mehr atmen, kann kaum noch stehen.

Wo bist du nur?

Ich bin noch immer hier.

Und du fehlst.

Alles läuft weiter, die Uhr tickt unermüdlich, das Leben rast und die Welt dreht sich

und ich

bleibe einfach stehen.

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Zeit #2

Noch kann ich warten.

Ich bin geduldig. Solange die Zeit gnädig bleibt. Solange kann ich warten.

Ich lege mich kurz zur Ruhe. Nur ganz kurz.

Kein blendendes Licht. Kein langer Fall. Ich halte deine Hand.

Und du bist mit mir geduldig.

Die Achterbahnfahrt ist zu Ende. Noch einmal Hände nach oben. Aus voller Lunge kreischen. Haare fliegen im Wind. Schallendes Lachen. Lass‘ uns noch einmal fahren. Brauche den Kick, nur für jetzt.

Gib‘ ihn mir nur für einen winzigen Augenblick.

Wir kommen alle zur Ruhe. Errötete Gesichter, glänzende Augen. Die Welt dreht sich. So viel Erinnerung. Sie gehört für immer mir.

Ich lege mich nur kurz zur Ruhe. Nur ganz kurz. Wir bauen uns Traumschlösser und wir schmieden Pläne. Du bleibst geduldig, weil ich es bin.

Ich bin zufrieden. Kann den Sonnenuntergang genießen, habe den Tag gelebt. Die Nacht darf kommen, ich bin bereit.

Kein langer Fall. Kein schwerer Aufprall. Langsam dämmert es und ich bin ganz ruhig.

Ich kann warten. Die Zeit blieb gnädig. Du hältst meine Hand und bist mit mir geduldig, damit ich nicht alleine sein muss.

Wo sind sie hin, all die Farben? Die Welt wird grau und ich bleibe ruhig. Das Karussell drehte sich lang genug. Erinnerungen.

So viele. Sie bleiben für immer mein.

Noch kann ich warten. Noch kann ich warten.

Wir haben alles gesehen. Haben jeden Tag gelebt. Die Nacht ängstigt mich nicht. Der nächste Tag kommt.

Wir müssen nur geduldig sein. Dann dauert es nicht mehr lang.

Die Sohlen unserer Schuhe sind durchgelaufen. Meine Füße blutig und wund. Der Schmerz verlangt gespürt zu werden und ich bleibe lebendig.

Die Dämmerung bricht an und die Farben verschwinden, die Welt ergraut und die Erinnerungen schwinden stetig, meine Vorstellungen verblassen zu schwachen Abbildern ihrer Originale.

Zeit schlafen zu gehen. Wische deine Tränen fort, es dauert nicht mehr lang.

Ich bin ganz ruhig. Noch kann ich warten. Ich bin geduldig. Solange die Zeit gnädig bleibt. Solange kann ich warten.

Also lege ich mich kurz zur Ruhe. Schließe die Augen.

Kein blendendes Licht. Kein langer Fall. Ich halte deine Hand und du bist mit mir geduldig.