Loslassen.

Mal festgehalten, an Etwas,

das mir nichts mehr bedeutet.

Aber die Erinnerung ist so schön, lässt das Jetzt so unwirklich erscheinen.

Baue mir Luftschlösser auf Wolkenuntergrund. Die Erinnerung ist zerbrechlich. Kurz davor einzubrechen.

Ich halte gerade deswegen fest, so gut ich kann.

Alles zerbrochen. Mir egal. Die jämmerliche Summe Einzelteile hat immer noch etwas Heiles. Etwas Unzerstörbares.

Mal festgehalten, an Etwas,

das mir nichts mehr bedeutet.

Wie soll ich ohne dich denn nur weiterleben? Wer bin ich dann noch?

Aber wer bin ich jetzt?

Mal in den Spiegel gesehen, erkenne mich nicht wieder.

Wenn sich alles ändert, wenn ich mich ändere, wenn du dich änderst-

woran halten wir dann noch fest?

Vielleicht wird es Zeit zu gehen.

Mal festgehalten, an Etwas,

das mir nichts mehr bedeutet.

Deine Hand sucht meine aber sie passt nicht mehr.

Wir schieben das Problem von uns fort, während es uns gleichzeitig erdrückt und wir keine Luft mehr zu bekommen scheinen.

Alles brennt. Und wir stehen nur da und beobachten das Feuerwerk, als gäbe uns das irgendeine Genugtuung.

Als müssten wir uns vergewissern, dass es wirklich existiert hat.

Mal festgehalten, an Etwas,

das mir nichts mehr bedeutet.

Ein paar Funken sprühen. Ich blase die Asche fort.

Es wird Zeit weiterzumachen.

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Bittersüß

Kurz bevor wir alles verloren

da sagtest du: ich bin da,

als sei das eine Selbstverständlichkeit.

Ich bleibe der Norden deines Kompasses, auch wenn die Tage so dunkel sind.

Ich gehe nirgendwo hin.

Die dunklen Tage sind da? Wo bist du?

Die Kompassnadel schlägt wild aus.

Allein ist relativ. Gemeinsam einsam.

Immer da. Nicht wirklich da. Kommst und gehst, wie es dir beliebt.

Der Schmerz bleibt.

Wo ist nur Norden?

Bin ein einsamer Künstler. Verdeckt von all meinen Farben. Lasse die Pinsel fliegen. ich höre niemals auf.

Angst vor dem, was kommen mag. Denen verfallen, die sich niemals fürchten.

So lernte ich dich kennen. So verfiel ich dir.

Die Gedanken hinterlassen einen bittersüßen Geschmack.

Spüre ihn immer noch auf den Lippen.

Kaum auszumalen, der Tag,

an dem ich es nicht mehr spüren werde.

Wie soll ich dann noch stehen.

Wachsen.

Ich habe ganz festgehalten. Lass‘ nicht los. Wir sind gleich da. Lass‘ bitte nicht los. Ich kann doch nicht ohne dich. Wir haben uns gedreht, gewendet, sind gestrauchelt und haben uns überschlagen. Bin am Ende des Weges angelangt und deine Hand liegt nicht mehr in meiner. Wer losgelassen hat, weiß ich nicht mehr. Zuerst waren da die Schuldgefühle, der krampfhafte Versuch auszugleichen, nicht da gewesen zu sein. Ich habe doch ganz festgehalten. Wir waren so überzeugt. Ich lasse nicht los. Halt‘ dich gut fest. Ich kann doch nicht ohne dich. Ich sehe mich um und du bist nirgendwo mehr. Wir sind gemeinsam einsam, jeder von uns woanders. Das ist jetzt mein Weg. ich habe solche Angst. Ich bin ein paar Schritte gegangen. Fühlte mich, als müsse ich erneut erlernen, zu laufen. Die Füße sind schwer, ich bin wacklig auf den Beinen. Ich habe es geschafft, gehe nun leichten Fußes weiter. Immer weiter. Immer weiter. Ich habe doch ganz festgehalten. Lass‘ mich nicht los. Bitte, lass‘ mich nicht los. Ich kann nicht. Ich will nicht. Hilf‘ mir doch. Du hast nur genickt. So wissend ausgesehen. Du hast losgelassen. Ich weiß es. Ich gehe weiter. Immer weiter. Hürden kann ich überwinden. Legt mir jemand Steine in den Weg, dauert es lange, aber ich kann sie fortschieben. So wie du es mich gelehrt hast. Dann muss ich lächeln. Ich weiß, dass du jetzt stolz bist. Ich habe ganz festgehalten. Habe dich angefleht, nicht loszulassen. Ich bin froh, dass du es getan hast. Ich bin daran gewachsen, du bist kleiner geworden. Hast deine Aufgabe gut gemeistert. Deine Hand liegt nicht mehr in meiner. Doch ich kann sie immer noch spüren.

Orte, die wir lieben

Gehst du, schließt sich der Raum hinter dir mit Wasser.

Du bist gegangen. Hast ein neues Kapitel begonnen und kaum bemerkt, wie du ein Altes beendet hast. Deine Finger blätterten die Seiten um, eine nach der anderen, die dein Leben irgendwie mit meinem verbanden.

Schau nicht zurück; um dich herum bist du allein. Deine Augen sind in Sicherheit. Du bist von alledem, was du zurückließt, weit entfernt.

Also frage ich dich: Was würdest du tun, wärest du an meiner Stelle?

Sag’s mir, bitte sag’s mir. Aber du bist von alledem weit entfernt. Du hast einen neuen Weg eingeschlagen, während ich noch versuche nicht von meinem abzukommen.

Raum ist nur Zeit, die sich uns anderen sichtbar macht.

Wir können Orte, die wir lieben, nie verlassen.

Grenzenlos

Der Wind ist stark. Regen peitscht in mein Gesicht, durchnässt mein Haar, die Kleidung klebt klamm und kalt am Körper. In meinen Ohren rauscht es. Ich sage kein Wort. Man würde es ohnehin nicht verstehen können.

Einfach an nichts denken. Nichts ist in diesem Moment wichtig. Vor mir das Meer, grau, rau, ungestüm rollen die Wellen an den Strand, brechen und versickern tief im Sand, hinterlassen die Idee von ihnen in schaumiger Gischt.

Einfach an nichts denken, keiner sonst ist da. Keiner sonst ist wichtig. Ich breite die Arme aus, schließe die Augen. Und ich lasse los. All das, indem ich mich verbissen habe, mir gar die Zähne daran ausgebissen hatte. All das, das mir nächtelang den Schlaf geraubt und mich verfolgt hatte, wie mein Schatten. In diesem Moment ist das alles nicht von Relevanz. In diesem Moment kann ich nichts spüren außer den Wind in meinem Gesicht, der Wind der mich wegträgt, mir die Füße vom Boden reißt, mir Flügel verleiht und mich einfach fortträgt. Nimm mich mit, möchte ich beinahe schreien. Ich bin bereit.

Ich bin grenzenlos. Nur für einen winzigen Moment.