Alles in Ordnung, alles okay

Sie lächelt, also ist alles okay.

Alles ist in Ordnung bei ihr, sie kann doch noch lächeln.

Bloß nicht zu genau hinsehen. Man könnte erkennen, dann es ihr nicht so gut geht, wie sie vorgibt und dann müsste man nachfragen, weil es der gute Anstand eben verlangt und prompt wäre man in eine traurige kleine Geschichte verwickelt, die man doch eigentlich gar nicht wissen wollte.

Ihr kennt ihr Lächeln aber nicht ihre Augen.

Was ist aus dir geworden?

Fragen sie.

Du bist so still.

Früher warst du anders, früher hast du immer gesagt, was dich beschäftigt.

Ja. Früher.

Was aus ihr geworden ist? Was mit ihr passiert ist?

Das Leben, könnte man sagen. Die Zeit.

Aber vor allem

die Menschen.

Sie ist sie so Leid geworden, die Menschen. Denen man immer nur sagen kann, was sie hören möchten. Sie hat die Menschen noch nie gemocht.

Verzerrte Realität. Schminke um Schmerz zu übertünchen. Jedwede Gefühlsregung auszuschalten. Leblose und lieblose Worte, anstelle derer, die so viel dringender gesagt werden müssen. Den Kopf immer weit über der Oberfläche, denn sie wollen nicht eintauchen, die Menschen. Sie fürchten sich so sehr davor sich nicht wegdrehen zu dürfen, wenn die Dinge unangenehm werden.

Ihr Leben ist ihnen mehr als genug.

Sie stolpert kopflos durch die dunkelste Nacht. Wer gibt ihr Halt. Wer gibt ihr Mut.

Die Leute sehen doch nur das Lächeln.

Sieh mich an.

Sieh mir in die Augen.

Bitte versteh mich. Bitte halt mich. Bitte mach das es aufhört.

Sieh mich doch einfach nur an.

Man nennt es auch selektive Wahrnehmung. Das Gegenüber hält an seiner eisernen Maske fest. Lächelt stur weiter.

Mein Name ist Hase. Ich weiß von nichts. Ich weiß von nichts.

Was ist aus ihr geworden? Was ist mit ihr geschehen? Sie ist so still geworden. Sie passt sich klaglos an. Der Wille und das Feuer sind verschwunden.

Sie hat begriffen, dass sie die Menschen und ihre Fehler nicht ändern kann. Sie ist müde geworden, es zu versuchen.

Alles ist so viel leichter seither und gleichzeitig so viel schwerer. Sie kann unbemerkt weiterleben. Die Menschen kritisieren nicht mehr, die Menschen stellen keine Fragen.

Sie lächelt doch.

Sie ist jetzt eine von ihnen.

Manchmal schämt sie sich dafür.

Du bist nicht mehr du. Du hast dich verkauft.

Einfach weggegeben für einen solch geringen Wert.

Sie versucht ihre Stimme wiederzufinden, stolpert kopflos durch die dunkelste Nacht.

Wann ist wieder Tag? Mir fehlt die Sonne.

Sieh mich an.

Sieh, wer ich wirklich bin.

Sieh, was du mir angetan hast.

Sie schreit aus Leibeskräften, ihr Körper zittert vor Erschöpfung.

Ohrenbetäubende Stille.

Keins dieser Worte, verlässt tatsächlich ihren Mund.

Sie schreit ins große einsame Nichts.

Ihr Blick ist flehend.

Aber das Gegenüber lächelt stur weiter.

Fragt weiter blauäugig, was aus ihr geworden ist. Was mit ihr geschehen ist.

Alles in Ordnung, alles okay.

Das Leben, die Zeit aber vor allem

die Menschen.

Ihr kennt ihr Lächeln aber nicht ihre Augen.

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