Die Zeit hat es nicht gut mit uns gemeint.

Du siehst aus, wie du immer ausgesehen hast.

Aber nur fast. Die Lachfalten in deinen Mundwinkeln kannte ich noch nicht.

Wir stehen uns gegenüber und die ohrenbetäubende Stille schmerzt in meinen Ohren.

Sag doch was,

möchte ich schreien.

Bitte sag doch was.

Du bleibst stumm.

Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Wie viele Tage, Stunden, Minuten und Sekunden voller Leben

haben wir voneinander verpasst?

Ich kann nicht mehr zählen.

Ich versuche deinen Blick zu deuten, dich zu lesen, wie ich das einst noch konnte. Aber dein Gesicht ist mir so fremd geworden

Es ist nicht mehr das eine unter Tausenden. Es ist eins von Tausenden.

Sag doch was.

Ich schreie.

Bitte sag doch was.

Du rührst dich nicht. Ich frage mich, ob du mich hören kannst. Ob du mich noch so verstehst, wie du das einst getan hast.

Du bleibst stumm.

Wer bist du?

Ist es das, wovor mir immer Angst gehabt hatten? Ist es nun passiert?

Sind wir erwachsen geworden?

Die Zeit hat es nicht gut mit uns gemeint.

Wer bist du geworden? Was hat die Zeit mit dir gemacht, was hat sie uns angetan?

Tick. Tack. Tick. Tack.

Wir Menschen sind wie die Tage, die Stunden, die Minuten, die Sekunden.

Wir verändern uns die ganze Zeit. Niemand bleibt der gleiche, der er er noch in der Sekunde zuvor war.

Das Leben zwingt ihn zu wachsen, zu straucheln, zu fallen und immer wieder aufzustehen.

Das habe ich über die Menschen gelernt. Manche kommen, manche gehen und manche von ihnen kehren niemals wieder zurück.

Manche nehmen, manche geben und manche träumen. Sind gefangen in der Illusion, die manchmal von dem Schmerz der Realität erlöst.

Manche wollen Etwas sein, bemühen sich darum sich Größe anzueignen und manche sind es einfach. Wurden mit Größe geboren.

Manche beginnen Etwas, während andere die Dinge zu Ende bringen. Und manche, die finden niemals die Liebe.

Manche leuchten so hell. Andere wiederum nicht.

Und alle wünschen sie sich immer mehr. Immer mehr.

Es hört niemals auf. Der Zug hält niemals an. Das Hamsterrad hört niemals auf sich zu drehen.

Die Zeit ist gnadenlos, sie ist listig und sie ist bestimmt.

Sie läuft einfach weiter. Tick. Tack. Tick. Tack. Sie findet ihren Weg durch dieses verdammte Universum.

Sie ist unser Schatten und irgendwann schlägt sie zu, die Zeit. Und dann rette sich, wer kann.

Und im Grunde ist es nicht von Bedeutung, wer von uns derweilen auf der Strecke bleibt.

Wir leisten Schwüre, geben Versprechen.

Aber nur die Zeit kann sie einhalten. Und die Zeit bricht sie viel zu oft.

Wer bist du geworden? Was hat die Zeit dir angetan?

Was hat sie uns angetan? Wer bin ich geworden?

Ist es das, wovor wir uns immer gefürchtet haben?

Sind wir nun erwachsen geworden?

Die Zeit hat es nicht gut mit uns gemeint.

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