Narben

Wir selbst

sind ein kalter, scheinbar endloser Krieg.

Wir kämpfen. Tag für Tag.

Und das gibt uns irrtümlicherweise ein wohliges Gefühl von Sicherheit in der Welt,

die uns in die Knie zwingen möchte.

Wir kämpfen um zu überleben. Wir kämpfen für die Menschen, die wir lieben.

Wir kämpfen darum, dass uns diese Menschen lieben.

Und die meiste Zeit,

da kämpfen wir eigentlich gegen uns selbst.

Manchmal versuchen wir uns dagegen zu wehren. Wir denken darüber nach. Versuchen diese Sicherheit in uns zu vertreiben, weil wir sind doch müde

von dem ganzen kämpfen.

Wir denken also darüber nach. Und wir sind doch so müde und so erschöpft.

Aber traurigerweise ist dieser alltägliche Kampf alles, was jemals Sinn für uns gemacht hat.

Alles, was wir kennen. Alles was wir verstehen.

Dieser Kampf zeichnet uns aus. Er hat uns geformt, er hat uns zerbrochen, er hat uns geheilt.

Wir tragen seine Narben in uns, manche sichtbar für die anderen, manche nicht.

Sie sagen uns:

Du hast einen Kampf gekämpft und du hast überlebt.

Sie erinnern uns an Fehler, die wir begangen haben. Und daran, dass das Leben manchmal alles andere als gerecht ist.

Aber insgeheim, da sind wir stolz, denn diese Narben beweisen uns, wie stark wir sind.

Diese Narben beweisen uns, dass wir Grenzen überschreiten können, wenn es gilt sie zu überschreiten.

Und, dass es mehr braucht, als das Leben um uns kleinzukriegen.

Wir selbst

sind ein kalter, scheinbar endloser Krieg.

Wir kämpfen. Tag für Tag.

Und das gibt uns irrtümlicherweise ein wohliges Gefühl von Sicherheit.

Die meiste Zeit,

da kämpfen wir eigentlich gegen uns selbst.

Das ist normal.

Oder eben nicht.

Die Grenzen, die wir dazwischen ziehen, sind uns selbst überlassen. Sie verschieben sich jeden Tag.

Ein weiterer Kampf. Eine weitere Hürde.

Wir sind müde. Und wir sind erschöpft.

Das Leben ist nicht für jeden von uns gemacht.

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Die Zeit hat es nicht gut mit uns gemeint.

Du siehst aus, wie du immer ausgesehen hast.

Aber nur fast. Die Lachfalten in deinen Mundwinkeln kannte ich noch nicht.

Wir stehen uns gegenüber und die ohrenbetäubende Stille schmerzt in meinen Ohren.

Sag doch was,

möchte ich schreien.

Bitte sag doch was.

Du bleibst stumm.

Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Wie viele Tage, Stunden, Minuten und Sekunden voller Leben

haben wir voneinander verpasst?

Ich kann nicht mehr zählen.

Ich versuche deinen Blick zu deuten, dich zu lesen, wie ich das einst noch konnte. Aber dein Gesicht ist mir so fremd geworden

Es ist nicht mehr das eine unter Tausenden. Es ist eins von Tausenden.

Sag doch was.

Ich schreie.

Bitte sag doch was.

Du rührst dich nicht. Ich frage mich, ob du mich hören kannst. Ob du mich noch so verstehst, wie du das einst getan hast.

Du bleibst stumm.

Wer bist du?

Ist es das, wovor mir immer Angst gehabt hatten? Ist es nun passiert?

Sind wir erwachsen geworden?

Die Zeit hat es nicht gut mit uns gemeint.

Wer bist du geworden? Was hat die Zeit mit dir gemacht, was hat sie uns angetan?

Tick. Tack. Tick. Tack.

Wir Menschen sind wie die Tage, die Stunden, die Minuten, die Sekunden.

Wir verändern uns die ganze Zeit. Niemand bleibt der gleiche, der er er noch in der Sekunde zuvor war.

Das Leben zwingt ihn zu wachsen, zu straucheln, zu fallen und immer wieder aufzustehen.

Das habe ich über die Menschen gelernt. Manche kommen, manche gehen und manche von ihnen kehren niemals wieder zurück.

Manche nehmen, manche geben und manche träumen. Sind gefangen in der Illusion, die manchmal von dem Schmerz der Realität erlöst.

Manche wollen Etwas sein, bemühen sich darum sich Größe anzueignen und manche sind es einfach. Wurden mit Größe geboren.

Manche beginnen Etwas, während andere die Dinge zu Ende bringen. Und manche, die finden niemals die Liebe.

Manche leuchten so hell. Andere wiederum nicht.

Und alle wünschen sie sich immer mehr. Immer mehr.

Es hört niemals auf. Der Zug hält niemals an. Das Hamsterrad hört niemals auf sich zu drehen.

Die Zeit ist gnadenlos, sie ist listig und sie ist bestimmt.

Sie läuft einfach weiter. Tick. Tack. Tick. Tack. Sie findet ihren Weg durch dieses verdammte Universum.

Sie ist unser Schatten und irgendwann schlägt sie zu, die Zeit. Und dann rette sich, wer kann.

Und im Grunde ist es nicht von Bedeutung, wer von uns derweilen auf der Strecke bleibt.

Wir leisten Schwüre, geben Versprechen.

Aber nur die Zeit kann sie einhalten. Und die Zeit bricht sie viel zu oft.

Wer bist du geworden? Was hat die Zeit dir angetan?

Was hat sie uns angetan? Wer bin ich geworden?

Ist es das, wovor wir uns immer gefürchtet haben?

Sind wir nun erwachsen geworden?

Die Zeit hat es nicht gut mit uns gemeint.

Ein Lächeln

kann für viele Dinge stehen.

Glück.

Glück ist ein Zustand. Jeden Tag müssen wir uns ermahnen wenigstens einmal glücklich gewesen zu sein. Ich weiß, ich weiß, Glück kann man nicht forcieren und ja ich weiß, dann ist es nicht wirklich echt.

Aber

uns sollte klar sein, dass nicht jeder Tag der Beste unseres Lebens sein kann und dass wir nicht jeden Tag die Möglichkeit haben werden neue wundervolle Dinge zu erleben und das vor allem nicht immer alles in unserem Leben nach Plan verlaufen wird.

Glück ist ein Zustand. Ausgelöst dadurch, dass wir akzeptieren, dass es manchmal eben nicht darum geht so grenzenlos und leidenschaftlich wie nur irgend möglich zu leben, sondern darum einfach zu überleben.

Ausgelöst dadurch, dass wir die Dinge manchmal akzeptieren müssen, wie sie kommen, dass wir begreifen, dass das Leben eine große Lotterie ist und wir das Los, das uns zuteil wird, hinnehmen und mit Stolz und Würde tragen müssen. Ein anderes werden wir niemals bekommen.

Und wenn wir das lernen, schaffen wir es täglich einmal glücklich zu sein.

Freude.

Freude ist ein kurzer Augenblick. Dem wir uns in noch so vielen Jahren entsinnen können.

Das Schöne an der Freude ist die Überraschung, die in ihr mitschwingt. Dinge geschehen.

Aber das Schönste an der Freude ist die Vorfreude. Lassen wir uns diese niemals nehmen. Halten wir sie uns als Ziel vor Augen und arbeiten auf diese wunderschönen Momente der Freude hin, die uns irgendwie ausmachen.

Vergiss niemals

Der Weg ist das Ziel.

Neubeginn.

Der Neubeginn ist ein schleichender Prozess. Dinge geschehen, Menschen treten in dein Leben und Menschen verlassen dich, weil du mit deinen bescheidenen Kräften nicht in der Lage dazu warst, sie zu halten. Wir erleben die unterschiedlichsten Phasen der Trauer. Und wir glauben, dass wir niemals wieder in der Lage dazu sein werden Freude zu empfinden.

Aber tief in uns drin wissen wir

Das ist eine Lüge

Die Akzeptanz kommt und mit ihr die Resignation.

Und irgendwann werden wir einfach lächeln. Da können wir gar nichts gegen machen.

Den traurigen Versuch die innere Zerrissenheit zu überspielen.

Die ersten drei Punkte waren eine Lüge.

Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Unser Alltag entführt uns auf eine Reise, wir sitzen in einem Zug, aus dem wir nicht aussteigen können. Zerrissene Bilder, Menschen- alles zieht an uns vorbei. Und in uns ist diese Traurigkeit, die wir nicht deuten können. An manchen Tagen vergessen wir, dass sie da ist. An anderen wiederum lastet sie uns so tonnenschwer auf der Brust und wir wünschen beinahe, uns möge die Brust zerspringen.

Aber wir leben einfach weiter. Leben unsere ganz eigenen Momente still und leise vor uns hin.

Der Zug fährt weiter. Zeit vergeht. Sandkörner rieseln klammheimlich auf den Grund der Uhr.

Das Leben geht weiter.

Und wir vergessen zu lächeln.

Das ist die traurige Wahrheit.

Die Ballade der Métro. Die Ballade des Lebens.

Die Ballade von der Metro ist einfach.

Der Rhythmus ist einfach. Leicht und eingängig. Du hörst ihn einmal und das nächste Mal erwähnt jemand die Metro und du wirst ihn direkt wieder hören, das leise Hämmern in deinem Kopf.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Und dann weint vielleicht ein Kind. Und vielleicht streitet sich auch jemand. Die Menschen in der Metro denken doch tatsächlich sie dürfen alles.

Es gibt auch kleines und großes Gelächter. An manchen Tagen wirkt es erheiternd, reißt mich aus der routinierten Lethargie. Dann lächle ich auch. An manchen Tagen macht es mich wütend.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Das Kind schreit. Es soll aufhören. Wo sind die Eltern? Wieso beruhigen sie es nicht?

Die Menschen in der Metro denken doch tatsächlich sie dürfen alles.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Stopp.

Menschen steigen aus. Und Menschen steigen ein. Der Ablauf ist flüssig, ein gleichmäßiger Strom. Natürlich stoßen Ellenbogen in Rippen, Obszönitäten fallen, Hände streifen einander. Aber das behindert die Gleichmäßigkeit keineswegs. Viele Gesichter. Blicke streifen den meinen und manchmal denke ich mir, wie es wäre sich in einem Paar Augen zu verlieren. Nur für einen Augenblick.

Aber das ist dumm. Wir sind in der Metro. Ich sitze eingekesselt zwischen einer alten Dame und einem übergewichtigen mittelalten Mann, der schwerfällig atmet. Aber ich bin alleine. Ich sehe diese Gesichter nicht wirklich. An der nächste Station werden sie aussteigen und ich werde den Augenblick vergessen haben, indem sich unsere Blicke kurz gestreift haben. Ihre Gesichter werden mir fremd sein und das nächste Mal, wenn ich sie irgendwo sehen werde, vielleicht sogar außerhalb der Metro, dann sind sie ein Gesicht unter Tausenden.

Bumm. Bumm. Bumm.

Die Metro bebt. Viele Gesichter. Und hinter jedem steckt eine Geschichte. So viele Tage, so viele Stunden, so viele Minuten voller Leben. Manche dieser Gesichter sind aus Stein gemeißelt und manche verzerrt. Sie sprechen von Müdigkeit und sie lassen Abenteuer erahnen. Aber es sind doch nur Gesichter. Augenpaare. Blicke. Geteilte Blicke. Manchmal denke ich mir, wie es wäre sich in einem Paar Augen zu verlieren. So braun, so blau, so grün. Nur für einen Augenblick. Augen sind blitzend, leuchtend und manchmal sind sie erloschen. Lebendig und schon lange gestorben. Ich weiß, ich weiß, die Gesichter und die Augen werden mir fremd sein, sie werden nur irgendwelche unter Tausenden sein- der Ausdruck in ihnen brennt sich dennoch ein. Du wirst ihn künftig mit dir tragen. Das Leid der Metro ist auch deines.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Stopp.

Eine weitere Station. Menschen steigen aus. Menschen steigen ein. Einer von ihnen trägt eine Geige bei sich. Er spielt wie der Teufel. So viel Leidenschaft, so viel Hingabe. Das haben wir nicht so oft, hier in der Metro. Menschen klatschen. Ein schöner Augenblick, wir sind alle irgendwie verbunden. Und dann ist der Augenblick wieder vorbei.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Der Geiger ist wieder vergessen. Die Leidenschaft, die Hingabe. Wir waren doch nie verbunden. Fremde sind wir, ein Leben lang. Wir haben geklatscht? Nein, wir doch nicht! Im Grunde sind wir uns selbst fremd.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Mein Rhythmus. Mein Herz pocht. Der Kopf ist schwer. Ich bin leer. Aber das ist doch der Rhythmus. Es ist die Leere in uns, die so laut schallt.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Er wird mich mein ganzes Leben nicht mehr loslassen.

Alles riecht. Schweiß, Parfüm, Knoblauch im Atem des Mannes, der sich an der Stange mir schräg gegenüber festhält. Waschmittel.

Geküsst wird viel in der Metro. Schmatzende Zungen, saugende Lippen.

Man muss die Augen zumachen und langsam und tief durchatmen.

Die Menschen in der Metro denken doch tatsächlich sie dürfen alles.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Wann kommt der nächste Stopp.

Ich will atmen.

Vielleicht steige ich an der nächsten Station aus.

Ja genau, das mache ich. Aussteigen. Atmen.  Weiterleben.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Stopp.

Menschen steigen aus. Und Menschen steigen ein. Ich sitze. Meine Beine sind mit dem Boden verwachsen. Ich bin der Boden. Nächste Station. Ich bin optimististisch.

Ich kann die Menschen in der Metro denken hören. Ich sehe grüblerische Mienen, ich sehe fröhliche und ich sehe friedliche Gesichter, gefangen im Griff des Schlafes.

Die Metro bebt. Windet sich durch enge, gekachelte und gewundene Tunnel, niemals passiert Etwas, die Metro eckt nirgendwo an, sie ist stetig auf der Suche nach dem Ende des Tunnels. Manchmal steht der Metro jemand im Weg. Er ist keine Komplikation. Die Metro nimmt ihn mit. Sie kann nicht für ihn anhalten. Das bedauere ich. Aber es kann mir nicht leid tun. So geht es uns allen.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Ich muss atmen. Wann kommt der nächste Stopp.

Stopp.

Eine weitere Station. Ich habe schon so viele gesehen in diesem Leben. Menschen steigen aus. Und Menschen steigen ein. Ich bin immer noch da. Und ich werde müde. Meine Füße stehen fest auf dem Boden. Oh, ich bin der Boden. Meine Beine sind so schwer.

Leuchtreklamen. Geplatzte Träumen. Ich erinnere mich. Ich beginne zu träumen. All diese Farben. All diese Versprechen. Davon gibt es in der Metro genug. In den gewundenen Tunneln. Das Boulevard der zerbrochenen Träume.

Da ist keine Luft mehr. Ich atme panisch, schnappe verzweifelt nach Luft. Wann kommt der nächste Stopp. Wann kommt der nächste Stopp. Wann kommt der nächste Stopp. An der nächsten Station steige ich aus!

Genau so mache ich das. Aussteigen. Atmen. Weiterleben.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Wann kommt die nächste Station. Die Luft geht mir aus.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Stopp.

Menschen steigen ein und Menschen steigen aus. Ich bin ruhiger als zuvor. Ich träume schon wieder. Bilder überfluten mich. Erzählen Geschichten anderer Stationen. Und da sind dann Augenpaare in denen mich unbewusst verloren habe, mit denen ich Blicke und Momente geteilt habe. Und ich fühle die Ausdrücke der vorbeiziehenden Gesichter, sie füllen mich aus. Da ist keine Leere mehr.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Stopp.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Stopp.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Stopp.

Menschen steigen aus.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

An der nächsten Station werde ich nicht aussteigen. Das macht nichts.

Die Metro wird diese Reise beenden, nicht ich.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Wie viele Stunden des Tages und wie viele Tage dieses Lebens, das vom Vergessen bestimmt ist, habe ich in dieser Metro verbracht. Wie viele Meter von Erde habe ich durchquert. Und wie oft, hatte ich mich nach den Sternen gesehnt, in dieser dunklen überfüllten Metro, denn diese Sterne hatten Freiheit beutet und Grenzenlosigkeit. Sie hatten eine so schöne Wahrheit vorgelogen. Sie waren anders als diese Metro.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Stopp.

Ich warte nicht mehr auf die nächste Station. Nur auf das Ende des  Tunnels.

Wir haben es bald gefunden.

Bumm. Bumm. Bumm. Bumm.

Stopp.

Auf Wiedersehen, Metro.

Adieu.

Rückkehr

Ich kehre zurück.

Weil ich niemals wirklich fort war.

Aber ich kehre zurück.

Weil ich auch niemals wirklich dort gewesen war.

Ich kehre zurück.

Und ich sage: Das ist mein Zuhause.

Aber das ist eine Lüge. Wir lügen gerne, wenn es um solche Sachen geht.

Und ich sage: Das ist mein  Zuhause.

Aber das ist eine verdammte Lüge.

Zuhause ist, wo dein Herz ist. Und mein Herz, das war bei mir. Rastlos, suchend. Nach was? Gefunden habe ich es nicht.

Also kehre ich zurück.

Und ich sage: Vielleicht kann ich meine Reise kurz unterbrechen.

Aber das ist eine Lüge. Wir lügen gerne, wenn es um solche Sachen geht.

Diese Reise kann nicht unterbrochen werden. Ja, ich weiß, dass mögen wir uns gerne selbst glauben machen. Aber, wenn wir einmal ganz ehrlich zu uns selbst sind. Wir wissen, wir werden nicht zufrieden sein, wenn wir ruhen. Wir werden nicht zufrieden sein, wenn wir aufhören zu suchen, auch wenn wir nicht wissen wonach.

Also kehre ich zurück. Zurück zu mir selbst.

Ich mag die Lügen nicht mehr. Sie machen mich müde.

Ich bin so erschöpft. Also wird es Zeit sich mit den Wahrheiten zu beschäftigen.

Damit ich zurückkehren kann.

Vergessen. Lügen. Träume. Und die ewige Suche.

Diese Dinge bestimmen unser Leben. Wir mögen glauben, was wir wollen. Wir mögen versuchen uns dagegen zu wehren.

Aber das ist unsere Natur, das ist unser Weg.

Glaubt, was ihr wollt.

Träume müssen zerplatzen, damit Neue geschaffen werden können, Lügen müssen erzählt werden, damit wir die Wahrheit erkennen, die wir nicht wahrhaben wollen. Vergessen müssen wir, damit wir an dem Leid in diesem Leben nicht zerbrechen. Oberflächlichkeiten, verblassende Erinnerungen, das macht uns glücklich.

Und wir müssen ewig suchen, damit wir irgendwann einmal herausfinden wonach. Damit unser Leben nicht an Sinnhaftigkeit verliert.

Ohja, ich kehre zurück.

Und ich bemerke, ich war niemals wirklich fort.

Aber ich muss zurückkehren.

Weil ich auch niemals wirklich dort gewesen war.

Alles hier ist mir dennoch vertraut.

Jeder Stein, jedes Gesicht, jedes Haus, jede Straße, jede Abzweigung.

Ich bin Zuhause.

Eine Lüge.

Aber wir haben gelernt, dass Lügen manchmal glücklich machen.

Das hier ist kein Zwischenstopp auf meiner Reise, es ist ein Teil von ihr.

Die Wahrheit also:

Das hier ist nicht mein Zuhause. Mein Zuhause liegt irgendwo zwischen heute und morgen. Zwischen jemals und niemals.

Es ist einfach nur ein Ort, an den ich irgendwann einmal wieder zurückkehren kann.

Eine Million Abstufungen von Dunkel

Dunkel ist es.

Es gibt eine Million Abstufungen von Dunkel.

Dunkel. Ein bisschen dunkel. Unwahrscheinlich dunkel. Noch dunkler.  Eben noch dunkler. Und dann kommt irgendwann schwarz.

Das war ein Witz.

Witze habe ich früher gerne gemacht. Und ich habe viel gelacht. Lachen ist etwas Wundervolles.

Heute frage ich mich manchmal, wie es funktioniert. Kiefer aufsperren, Zähne zeigen und dabei glucksende Laute von sich geben. Wenn man es genau betrachtet, ist das Lachen eines Menschen, das bezaubernde Lächeln, ein kalter automatisierter Mechanismus. Wo ist da die Spontanität, das Gefühl, die Herzlichkeit und Wärme?

Nirgendwo. Genau.

Vielleicht war auch das ein Witz. Vielleicht.

Es ist wirklich ziemlich dunkel.  Unwahrscheinlich dunkel.

Aber meine Augen sehen dennoch so viel. Sie sehen so viel. Und sie haben so viel gesehen. Zu viel.

Bilder. Einzelne, zerrissene Sequenzen. Bunte Farbflecken. Silhouetten. Und all diese in rasender Abfolge. Keins von ihnen mehr abrufbar. Verändert durch die eigenen Wünsche und Vorstellungen.

Aber was ich vor allem gesehen habe

ist

Dunkelheit.

Oh, es ist so dunkel. Aber diese Augen, sie sehen. Sie verleihen der Dunkelheit, der Kälte, die sie ausströmt, Licht und das ist das was sie gefährlich macht.

Dunkel ist es.

Es gibt eine Million Abstufungen von Dunkel.

Weil die Dunkelheit sich verändert.

In der Ferne ist es unwahrscheinlich dunkel. Und es wird dunkler. Und eben noch dunkler.

Direkt vor den Augen, in greifbarer Nähe, da sind Schemen auszumachen, Schattierungen, ein Dutzend  unterschiedlicher Farbnuancen.

Grau ist nicht grau. Und schwarz ist nicht schwarz.

Aber in der Dunkelheit

mit den Augen weit aufgerissen

allsehend.

Da habe ich genau das geglaubt.

Dunkel ist es.

Es gibt eine Million Abstufungen von Dunkel.

Dunkel. Ein bisschen dunkel. Unwahrscheinlich dunkel. Noch dunkler. Und eben noch dunkler.

Und diese Abstufung, die lässt sich ewiglich fortführen.

Und das ist kein Witz.

Es wäre noch nicht einmal ein besonders Guter.

Es ist die einzige wirklich wahre Wahrheit, die uns das Leben schenkt.

Glaub nicht, dass du am Boden bist, wenn du am Boden liegst.

Weil du immer noch tiefer fallen kannst.

Und dann steh auf.

Glaub nicht, dass du die Orientierung verloren hast, denn du warst noch nie wirklich verloren.

Glaub nicht, dass du die Orientierung verloren hast, denn manchmal musst du die Augen in der Dunkelheit schließen, statt sie zu öffnen.

Dann wird es dunkel sein.

Und es wird nicht noch dunkler. Und eben noch dunkler.

Du erkennst dann vielleicht, wie grau und wie schwarz du selbst bist.

Deine eigene Farbnuance

deine ganz eigenen Schemen

Schattierungen.

Dann mach die Augen wieder auf.

Hell.

Wurzeln

Vielleicht habe ich für einen Moment zu fest geklammert.

Die Hand nicht losgelassen, als ich sollte, weil der Druck, der sie hielt, zu angenehm war.

Dennoch sind wir zerfallen. Zu Staub.

Zu dem wertlosen Haufen Atome, genetischen Müll, Abfall der Evolution, auf der Suche nach dem Sinn, Wahrheiten, Antworten, zu denen wir die Fragen noch nicht kennen.

Einzig und allein wissend, dass wir sie einander nicht verraten können.

Kein Band, kein Schwur, nichts- nichts währt für immer.

Ich habe es glauben wollen.

Die Wurzeln eines Baumes liegen tief. Und sie wachsen und wachsen, graben sich in die Erde ein, durchschlagen sie, bilden eine Einheit, eine Gemeinschaft, in der man alles miteinander teilt.

Das Ich verliert an Bedeutung und alles was noch bedeutsam ist, ist das Wir.

Und wir lernen darüber in der Schule und in uns festigt sich der Gedanke, die Wurzeln und der Boden sind eins. Die Jahre vergehen und bald weiß schon niemand mehr, wo die Wurzeln begonnen hat, wo dies alles seinen Anfang fand.

Aber das Ende, oh das Ende, das sehen sie alle.

Man lehrt uns vieles. Weisheiten, die uns so manchen Moment versüßen, die in anderen dennoch wie Tonnen von Blei auf unserer Brust lasten.

Die Wurzeln und die Erde sind nicht eins. Sie arrangieren sich miteinander, doch sie gehen ihren eigenen Weg. Und den gehen sie zumeist allein. Diesen Weg kann niemand voraussehen. Das ist das, was die Trennung so schmerzhaft macht. Die Wurzeln klammern ein letztes Mal, klammern an das letzte Bisschen,

das ihnen bleibt

aber auch sie begreifen schließlich

Da ist nichts mehr, das es festzuhalten lohnt.

Vielleicht habe ich für einen Moment zu fest geklammert.

Die Hand nicht losgelassen, als ich sollte, weil der Druck, der sie hielt, viel zu angenehm war.

Wir sind zerfallen.

Das schmerzte.

Aber es war ein schöner Schmerz.

Er erinnerte an das, was einmal war.

Man lehrt uns vieles. Und wir lernen und lernen und irgendwann kommt die Zeit, zu der wir uns allwissend wünschen. Aber die wichtigsten Lehren ziehen wir aus dem Schmerz.

Und dem Leben selbst.

Ich bin ein armer Baum.

Meine Wurzeln suchen noch. Sie greifen ins Leere. Immer und immer wieder.

Das Leben hat sie gelehrt nicht aufzugeben.

Ich bin ein armer Baum.

Aber im Grunde habe ich es bereits zuvor gewusst.

Ich habe es dennoch glauben wollen.

Einmal nicht loslassen zu müssen.